Technische Vorträge sind kein Hexenwerk!

Wenn Sie technische Vorträge oder Präsentationen für Kollegen halten befinden Sie sich in einer interessanten Situation. Einerseits sind Sie wahrscheinlich selbst Techniker oder Ingenieur. Das bedeutet, Sie haben vermutlich wenig Erfahrung, wie man vor Publikum spricht. Andererseits jedoch kennen Sie sich in Ihrem Fachgebiet bestens aus und Sie können sich wunderbar in Ihre Zuhörer hineinversetzen. Machen Sie sich diese Stärken bewusst und setzen Sie sie zu Ihrem Vorteil ein. Versuchen Sie also eine Präsentation zu erstellen, die Sie selbst toll finden würden.

Machen Sie sich auch immer bewusst, dass eine Information, die Sie im  Kopf haben auch auf die richtige Art und Weise in die Köpfe Ihrer Zuhörer gelangen muss. Man kann sich das sehr gut an dem Modell von Sender - Medium - Empfänger vorstellen.​

Ankündigung

Wenn Ihr Vortrag angekündigt wird, z.B. in einer internen E-Mail oder der Agenda einer Fachkonferenz, sorgen Sie dafür, dass von Anfang an klar ist, um was es geht und welchen Nutzen die Zuhörer haben werden. Vermeiden Sie lange und komplizierte Titel und kommen Sie auf den Punkt. Sie würden staunen, wieviel man von einer Aussage weglassen kann und wie sie trotzdem noch klar vermittelt, um was es geht. Die Werbebranche zeigt mit ihren Slogans immer wieder, wie das funktioniert.

Einleitung

Beginnen Sie Ihren Vortrag kurz und knapp mit einem lockeren Spruch, einer Anspielung auf eine aktuelle Situation oder einer Frage in die Runde. Die Zuhörer müssen gleich zu Beginn merken, dass Sie ihnen einen interessanten und unterhaltsamen Vortrag präsentieren werden, der für alle relevant ist. Viele sind es vom beruflichen Alltag gewohnt, dass Meetings und Projektpräsentationen langweilig sind und viel zu lange dauern. Brechen Sie mit dieser Vorstellung und steigen Sie mit voller Begeisterung in Ihre Präsentation ein.

Hauptteil

Wenn Sie ein technisch gebildetes Publikum vor sich haben, sprechen Sie gleich in der richtigen Sprache und nutzen Sie die geläufigen Fachbegriffe. Techniker wollen klare Fakten und keine langen Reden um den heißen Brei. Kommen Sie auf den Punkt. Sie sprechen nicht vor Laien und auch nicht vor Kunden. Emotionale Geschichten und einfache Wortwahl treten daher etwas in den Hintergrund. Trotzdem sollten Sie sich davor hüten, zu schnell zu tief einzusteigen. Denken Sie daran zurück, welche Verständnisschwierigkeiten Sie selbst hatten, als Sie dieses Thema zum ersten Mal bearbeiten mussten. Das ist ein guter Ausgangspunkt, um zu verstehen, was Sie von Ihren Zuhörern voraussetzen können.

Gehen Sie ins Detail

Manchmal ist es vielleicht nötig, einen Punkt etwas ausführlicher zu erläutern. Dann können Sie natürlich auch Formeln, mathematische Herleitungen oder komplizierte Diagramme präsentieren. Ihre Zielgruppe kann damit umgehen. Sie dürfen jedoch trotzdem nicht erwarten, dass alle zum Schluss jedes Detail verstanden und behalten haben. Selbst mit der größten Motivation und dem besten Hintergrundwissen ist die Aufnahmegrenze irgendwann erreicht. Sie wollen ja auch keine Universitätsvorlesung halten, sondern nur einen kleinen Einblick in ein Thema geben.

Gehen Sie nicht ins Detail

Es gibt allerdings auch Situationen, in denen zu viele Details kontraproduktiv sein können. Ich erlebe es immer wieder, dass bei Produktvorstellungen alle Varianten einzeln dargestellt werden. Es gibt dann Schaubilder mit sogenannten „roadmaps“, die alle Produktvarianten der letzten und der kommenden Jahre aufzeigen. Diese Bilder sind meist so unübersichtlich, dass sich keiner mehr auskennt. Bitte verschonen Sie Ihr Publikum damit. Fragen Sie doch vorher in die Runde, nach welchen Informationen oder Produkten am meisten Bedarf besteht und konzentrieren Sie sich darauf. Wenn Sie merken, dass einzelne Zuhörer besonderes Interesse an einer bestimmten Variante haben, bieten Sie Ihnen an, im kleinen Kreis näher darauf einzugehen. Tun Sie das nicht, werden alle anderen Teilnehmer garantiert früher oder später aussteigen.

trickreich präsentieren

Gliederung einsetzen, wenn notwendig

Es kann durchaus sinnvoll sein, eine Gliederung vorzustellen, jedoch nur, wenn sich daraus ein Mehrwert ergibt. Eine Gliederung die grob dem Schema „Einführung – Anwendung – Ausblick“ folgt, ist nicht besonders erwähnenswert. Ansonsten kann es auch durchaus auch vor Fachpublikum sehr wirkungsvoll sein, ein Thema Stück für Stück aufzubauen um dann am Ende eine Überraschung oder unerwartete Wendung zu präsentieren.

Helfen Sie bei der Meinungsbildung

Selbst wenn Ihre Zuhörer größtenteils faktenorientiert sind, werden sie ihre Meinung doch auch emotional bilden. Das bedeutet für Sie: Bringen Sie Ihre ganze Begeisterung ein, wenn Ihnen ein Thema wichtig ist. Das Publikum wird sowohl Ihren Enthusiasmus als auch Ihre fachliche Kompetenz positiv anerkennen und sich sehr viel wahrscheinlicher Ihrer Meinung anschließen, als wenn Sie nur nüchtern die einzelnen Fakten auflisten.

Schluss

Sie müssen jetzt nicht mehr die ganzen Inhalte nochmals zusammenfassen. Wenn Sie den Hauptteil überzeugend präsentiert haben, sollte jetzt bereits jeder wissen, was wichtig ist und die entscheidenden Fakten behalten haben. Der Schluss dient also dazu, nochmal positiv in Erinnerung zu bleiben. Wenn Sie also einen Projekterfolg präsentiert haben, stellen Sie doch durchaus noch mal dezent Ihren Anteil daran hervor und gehen auf die größten Erfolge ein. Wenn Sie über negative Ereignisse berichten mussten, dann geben Sie auf jeden Fall einen positiven Ausblick in die Zukunft und machen Sie konkrete Vorschläge, was als nächstes verbessert werden soll.

Im Anschluss

Sollte von Ihnen noch eine Zusammenfassung oder ein Handout verlangt werden, geben Sie bitte nicht einfach nur die Folien Ihrer Präsentation heraus. Diese sollten nämlich für den Vortrag optimiert sein und sind deshalb eher knapp gehalten. Wenn Ihre Zuhörer später noch mal etwas nachlesen wollen, helfen Sie Ihnen mit ausformulierten Texten deutlich besser.

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